Chloe Haywood – die Hutmacherin

Chloe Haywood Hutmacherin

Elegant, extravagant und jedes Stück ein Unikat: Chloe Haywoods Hutkreationen sind vielleicht nicht jedermanns Sache – aber eines sind sie ganz bestimmt: auffällig. Mit uns sprach sie über Upcycling als Trend, welche Bedeutung soziale Netzwerke für sie haben und warum ihr Sohn sich glücklich schätzen kann, eine Designerin als Mama zu haben. Stichwort Drachenkostüm.

Hüte machen… das ist eine ziemlich spezielle Sache. Wie bist du dazu gekommen?

Angefangen hat es als ich noch ein Kind war. Meine beiden älteren Schwestern und ich fanden es schon immer gut, ein bisschen anders zu sein als andere. Und wenn wir auf Parties  gingen, wollten wir aus der Masse herausstechen. Aber wir hatten kaum Taschengeld. Das heißt, wenn wir etwas wollten, mussten wir es selbst möglich machen. Und hatastic ist dann aus einem Hobby entstanden.  Ich hatte schon immer den Wunsch auf der Bühne zu stehen, Schauspielerin zu sein, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und so kam dann die Sache mit den Hüten. Denn wenn du einen Hut aufsetzt, wirst du irgendwie zu einem anderen Menschen.

Chloe Haywood auf der Fashionweel 2012

Hüte sind also deine Leidenschaft?

Ja, und das hat mich schon überrascht. Hätte mir vor zehn Jahren jemand gesagt, dass ich ein gut laufendes Hut-Business haben würde, ich hätte es nicht geglaubt.

Aber wann war der Knackpunkt, wann hast du wirklich begonnen?

Nunja, hatastic gibt es seit 2009. Damals standen sehr viele Hochzeiten an und ich wusste, ich will – den Anlässen entsprechend – schöne Hüte tragen. Ich fand damals aber keine Hüte, die mir gefielen, darum  habe ich mich einfach selbst an die Arbeit gemacht. Spontan hab ich meine Kreationen auch online gestellt. Und die positive Rückmeldung war enorm, vor allem handarbeitsinteressierte Menschen haben meine Website „gestürmt“. Ich war selbst von der hohen Besucherzahl überrascht (lacht).

Und woher nimmst du die Inspiration?

Gute Frage! (lacht). Mich inspirieren vor allem Materialien. Ich lege sie neben einander und denke dann „Oh, ich mag, wie das zusammen mit dem ausschaut …“. Aber bei der aktuellen Kollektion musste ich ein wenig anders denken. Denn ich wusste, ich muss etwas machen, das wiederholbar ist. Und das war schon etwas schwierig, weil es eine ganz andere Arbeitsweise ist.

Nachhaltigkeit ist dir besonders wichtig, oder?

Auf jeden Fall. Schon lange bevor Upcycling zum Trend wurde. Und es hilft mir dabei, mich als Designerin weiter zu entwickeln. Ich muss nämlich immer einen Weg finden, das Material zu bekommen ohne dafür in ein Geschäft zu gehen. Momentan erweitere ich die Skateboard-Kollektion und wir experimentieren mit Materialien wie Ton und Porzellan.

Wow, das ist ganz schön künstlerisch… siehst du dich selbst eher als Künstler oder als Modedesigner?

Eine schwierige Frage… Ich würde nicht sagen, dass ich eine Modedesignerin bin. Aber ich bin natürlich sehr an Mode interessiert und immer informiert was gerade angesagt ist. Und irgendwie bin ich schon auch eine Designerin. Wenn sich zum Beispiel mein Sohn als Drache verkleiden möchte, dann finde ich einen Weg (lacht). Aber was würdest du sagen? Bin ich eine Modedesignerin?

Hmm, das ist wirklich nicht leicht zu beantworten, darum hab ich dich ja gefragt (lacht). Aber ich denke, du bist eine Mischung aus beidem. Du entsprichst auf jeden Fall nicht dem, was man generell unter dem Begriff „Modedesignerin“ verstehen würde… vielleicht sollten wir dir einfach kein Label aufdrücken.

Ja, ich glaube da hast du Recht. Vor kurzem war ich auf einer Tagung für Designer und zu Beginn war ich etwas besorgt, weil ich nicht wusste, was ich anziehen sollte. Aber als ich dort war, merkte ich, dass ich mir ganz umsonst so viele Gedanken gemacht habe. Das waren auch nur ganz normale Menschen:  nett und voller Leidenschaft für ihre Arbeit.

Was rätst du jungen Designern?

Erzähle den Leuten von deiner Arbeit und präsentiere deine Marke so wie du möchtest, dass sie wahr genommen wird. Und hör nie auf dich selbst zu pushen.

Gab es einen bestimment Moment wo du dir dachtest: „Ich habe es geschafft?”

Ja! Als meine Hüte im Schaufenster ausgestellt waren und auf einem Schild stand: „hatastic im Erdgeschoss”. Da war ich unglaublich glücklich.

Was war deine erste Reaktion?

Ehrlich? Ich habe erst mal ein paar Freudentränen vergossen. Und dann bin ich die Woche darauf nach London gefahren, habe Fotos vom Schaufenster gemacht und sie auf Facebook gepostet. Die Rückmeldung war großartig.

Von Erfolg zu Misserfolg. Gab es Rückschläge und wie gehst du damit um?

Ja, da gab es schon ein paar. Aber im Endeffekt lernt man daraus und wenn ich weiß, ich habe mein Bestes gegeben, dann kann ich damit leben.

Und wolltest du schon mal aufgeben?

(lacht laut und lange) Ja, kurz vor Weihnachten zum Beispiel. Da gab es Probleme mit dem Designprozess. Aber in solchen Situationen sollte man sich am besten eine kurze Auszeit nehmen und dann zu einem späteren Zeitpunkt mit neuer Energie an die Sache herangehen.

Was motiviert dich in schlechten Momenten?

Networken und mit Gleichgesinnten in Kontakt treten. Das ist auch ein guter Tipp für Neulinge in der Kreativ-Branche: Der beste Weg, sein soziales Netzwerk auszubauen, ist pro Woche mindestens einen neuen  Kontakt aufzubauen. Manchmal passiert das von selbst und manchmal ist es Arbeit.

Hast du ein Lebensmotto?

Nunja, ein Lebensmotto ist es vielleicht nicht unbedingt, eher eine Lebensweisheit (lacht).  Einer meiner Schauspiellehrer sagte immer: „Wenn du denkst, du bist schlecht, dann bist du es auch.” Und ich glaube, das ist wahr, denn am Ende hängt sehr viel mit deiner Einstellung  zusammen.

Mehr über Chloe findet ihr auf:

Website: www.hatastic.co.uk
Facebook: www.facebook.com/Hatastic

E-Mail: info@hatastic.co.uk
Twitter: @Hatastic