Gabriel Bur – Modemaler

Gabriell Bur

Kreativität ist sein zweiter Vorname. Der in Berlin lebende Künstler Gabriel Bur verwandelt T-Shirts in Leinwände – sein Label Berlin My Inspiration ist Kunst zum Tragen. Mit uns sprach er über seine größte Inspirationsquelle – Berlin – und Mode als Kunst.

Hattest du schon mal einen 0815/9 to 5 Job?

Ich habe mal Stadtplanung studiert und während des Studiums immer wieder in diesem Tätigkeitsfeld gejobbt – die erforderlichen Praktika auf Ämtern und in Planungsbüros absolviert. Aber dann bekam ich eine Anfrage von Desperados, als Eventkünstler für sie tätig zu sein, und ich habe gleich zugesagt. Daraus wurde dann ein Vollzeitjob und für das Studium war keine Zeit mehr. Bei allen meinen Jobs war ich immer auch Mitentwickler, also würde ich sie nicht als 0815 bezeichnen… Ich denke, so ein Standardjob würde mich krank machen.

Wolltest du schon immer etwas „schaffen“?

Nun ja, ich habe schon als Kind sehr viel gebastelt und gemalt. Und mein Vater hat die Kreativität meines Bruders und mir auch immer gefördert. Der echte Drang etwas in künstlerischem Sinne zu „schaffen“ entwickelte sich aber erst spät, erst nach Desperados und mit meinem Kontakt zu Anna Adam, bei der ich dann auch Kunst studierte.

Und wieso ausgerechnet T-Shirts?

T-Shirts sind heutzutage eine Art Präsentationsfläche, mit und auf der jeder ein Statement abgeben kann. Und sehr viele machen das. Damit kann jeder sein Lebensgefühl ausdrücken. Und so bringe ich meine Kunst sozusagen direkt „an den Mann/die Frau“.

Warst du von Beginn an überzeugt von deiner Modelabel-Idee?

Ich war absolut überzeugt von meiner Idee . Doch es gab natürlich auch einige Rückschläge. Dadurch habe ich dann festgestellt, dass ich noch weiter am Konzept arbeiten muss. Erst seit einem Jahr ist es rund und jetzt geht’s richtig los!

Wie siehst du dich in der Modebranche?

Ich unterwerfe mich nicht den Gepflogenheiten der Modebranche saisonale Kollektionen herauszubringen. Ich mache Unikate, ich mache Kunst. Trotzdem komme ich natürlich nicht umhin, gewisse Regeln zu beachten. In Zukunft möchte ich allerdings nicht nur auf fertige Klamotten anderer „malen“, sondern meine eigenen Ideen und Entwürfe für Schnitte umsetzen – sehr gerne auch mit anderen Labels, wenn es passt.

Inwiefern siehst du Mode als einen Aspekt/Ableger von Kunst?

Mode ist für mich kein Aspekt/Ableger von Kunst. Mode ist Kunst, wenn der Mensch, von dem sie gemacht wird, dies mit Leib und Seele tut. Und das dazu im respektvollen Umgang mit anderen Menschen.

Welchen Stellenwert hat Mode in deinem Leben?

Einen hohen. Das möchte ich einfach mal so stehen lassen…

Deine Inspiration ist Berlin… was ist für dich das Besondere an der Stadt?

Das Besondere an der Stadt ist, dass sie verschwommen und scharf zugleich ist, weich und hart. Peter Fox hat es so schön in seinem Lied  „Schwarz zu blau“ besungen: Berlin, „…Du kannst so schön schrecklich sein.“ Was uns alle an die Stadt bindet und uns an ihr fasziniert ist eine ewige Hassliebe. Die vielen Gegensätze der Stadt und der Menschen hier machen sie ungreifbar. Du kannst nur einen Aspekt zur gleichen Zeit erfassen und weißt doch, dass es hier auch anders sein kann. Diese Ambivalenz macht Berlin aus und lässt einen sich verlieren. Wenn du dich treiben lässt, frisst Berlin dich auf. Darum ist es hier so wichtig seine Flügel zu finden und sich über die Stadt zu erheben.

Fühlst du dich auch von anderen Städten inspiriert? Was inspiriert dich noch?

Bauwerke in einer Stadt können imposant sein und mich in Staunen versetzen. Aber es ist immer der Mensch, der mich inspiriert und nicht die Stadt an sich. Mich inspirieren vor allem Menschen, die erwachsen werden –  im Sinne von über sich hinaus wachsen und erwachen.

Künstlern wird nachgesagt sie seien kompliziert, exzentrisch, extravagant – was sagst du dazu?

Exzentrisch? Das heißt doch auffällig, aus dem Rahmen fallend, ausgefallen, extravagant, extrem, spleenig, überspannt, übersteigert, übertrieben, überzogen, ungewöhnlich, vom Üblichen abweichend, unkonventionell, flippig, überkandidelt, verrückt, verdreht… In unkonventionell und ungewöhnlich kann ich mich wiederfinden, in dem Rest absolut nicht, und als kompliziert würde ich mich auch nicht bezeichnen. Ich denke, ich bin umgänglich und weiß, was ich will.

Was bedeutet für dich der Begriff Künstler?

Hier möchte ich Beuys zitieren: „Jeder Mensch ist ein Träger von Fähigkeiten, ein sich selbst bestimmendes Wesen, der Souverän schlechthin in unserer Zeit. Er ist ein Künstler, ob er nun bei der Müllabfuhr ist, Krankenpfleger, Arzt, Ingenieur oder Landwirt. Da, wo er seine Fähigkeiten entfaltet, ist er Künstler. Ich sage nicht, daß (sic) dies bei der Malerei eher zur Kunst führt als beim Maschinenbau.”

Photo-Credits-Galerie:

Bild 1: Der Designer Gabriel Bur mit seinem Model auf der Fashion Exchange im März 2014. Melanie trägt die erste tragbare Wand mit Graffiti und T-Shirtrock und Tank Top.  Foto by Patrick Rupprecht @ Fashion Exchange 2014 Personen: Melanie Unrau (Model), Gabriel Bur (Designer Berlin-My-Inspiration)
Bild 2: Gabriel überträgt seine Kunst auf T-Shirts – jedes Stück ein Unikat. Foto by Frank Hermann @ Flowmarkt Nowkoelln, Berlin 2012

Bild 3: Foto by Gabriel Bur @ NEMONA Showroom Berlin Fashion Week 2013
Bild 4: Gabriel vor dem Pop Up Store bei Kunst am Spreeknie. Im Hintergrund sein Upcycling-Kühlschrank mit den Flügeln Berlin.
Bild 5: Foto by Jürgen Freymann @ the Gallery Berlin 2014
Bild 6: Foto by Jürgen Freymann @ the Gallery Berlin 2014
Bild 7: Foto by Patrick Rupprecht @ Fashion Exchange 2014, Model: Melanie Unrau