Kerstin Görling – Little Miss Sunshine

Fashionbloggerin Kerstin Görling

„Da geht die Sonne auf“ ist mein erster Gedanke als ich Kerstin Görling, Inhaberin des erfolgreichen Modeladens Hayashi und bewanderte Bloggerin, in Frankfurt gegenüber stehe. Eine Stunde, eine Tasse schwarzen Kaffee und einen Regenguss später weiß ich: Mein erster Eindruck war 100%ig richtig.

Kerstin, wie gelang dir der Einstieg in die Modewelt?

Ich habe an der AMD in Düsseldorf „Fashion Management“ studiert und direkt danach meinen Laden aufgemacht – im März 2007 war das. Gleichzeitig habe ich meinen eigenen Blog begonnen, der immer erfolgreicher wurde. Da war ich auch die Erste, die an einen Laden einen Blog anhängte.

Wieso Blog statt Newsletter?

Ich hatte keine Lust auf Newsletter. Ich wollte lieber etwas Aktives… wenn es jemanden interessiert, dann soll er gucken und sonst eben nicht. Und irgendwann wurde dann Jessie (Anmerkung: Jessica Weiß) auf mich aufmerksam, da hatte ich meinen Laden aber schon vier Jahre. Und dann habe ich eine Zeit lang auch für LesMads gebloggt und bin dann mit ihr zu Journelles gewechselt. Aber ganz am Beginn stand der Laden.

Ein eigener Laden – wow! Wo beginnt man da?

Das hört sich immer sehr viel an… aber ich wusste schon ganz früh, ich will mal einen Modeladen haben, mit 18, 19 schon. Ich habe mich schon mit diesem Ziel vor Augen für das Studium „Fashion Management“ entschieden. Und dann hatte ich auch ein Studienfach, das sich mit Selbstständigkeit befasste und während des Studiums hab ich schon meinen Businessplan für den Laden erstellt. Zudem hat mir das Studium einen guten Einblick in die Modewelt gegeben, aber natürlich war es schlussendlich trotzdem ein Sprung ins kalte Wasser…

Ist wahrscheinlich als junge Frau nicht unbedingt einfach?

Ja sicher. Ich hab nach einer Ladenfläche gesucht, da war ich 26 – gefühlt sehr jung, wenn man da vor Fondsgesellschaften steht und die sich fragen: “Was willst denn du junges Mädchen von uns?” – das ist natürlich nicht einfach. Aber da war ich irgendwie frech genug und dachte mir, das pack ich schon. Aber natürlich läuft nicht alles von Anfang an rund, man braucht viel Durchhaltevermögen und macht auch Fehler.

Woher kommt denn der Name Hayashi?

Hayashi ist der Name eines japanischen Physikers, der eine Linie entdeckt hat, die Hayashi-Linie. Ab dieser Linie wird ein Stern zu einem Stern – das ist quasi die Geburtsstunde eines Sterns.

Das ist ja eine schöne Geschichte – wie bist du darauf gekommen?

Ich hab ewig im Internet gesucht. Weil ich natürlich einen besonderen Namen wollte. Und erst mal haben alle gekichert, weil ja alle Läden eher englische Namen haben und Hayashi eben Japanisch ist. Aber jetzt hat sich das so eingeprägt und ich mag den Namen sehr gerne. Und wenn eine Kundin im Laden steht, telefoniert und sagt sie ist grad bei Hayashi, dann muss ich immer noch schmunzeln – weil es einfach ein bisschen schräg klingt. Hört sich auch fast wie „hatschi“ an (lacht).

Wie lange hat es gedauert bis du wirklich Umsatz gemacht hast?

Bei mir hat es 1,5 Jahre gedauert bis ich entspannt davon leben konnte. Aber dann ist es auf einmal explodiert und jetzt hab ich vier fix angestellte Mitarbeiter und noch jemanden für die Buchhaltung.

Wie wichtig ist die persönliche Ebene – der Blog – für deinen Erfolg?

Ich denke, sehr wichtig. Das war auf jeden Fall schon mein Glück und eine super Idee, diesen Blog zu machen. Das ist wie ein virtuelles Schaufenster und man hat ein Gesicht zum Laden. Das ist wie eine Vertrauensbasis und mittlerweile ein grundlegendes Konzept meines Ladens.

Nach welchen Kriterien kaufst du für deinen Shop ein?

Wenn man einen sehr modischen Laden hat, geht es ja darum, Trends früher als andere zu erkennen und aufzugreifen, darum sehe ich das ganz stark aus Einkäufersicht.

Wie stimmst du dich auf eine neue Saison ein, erzähl mal.

Ich lese Blogs und Magazine, höre Musik, reise, schneide Bilder aus, die mir gefallen und mache kleine Büchlein. Der Einkauf wird also schon stark von meinem eigenen Geschmack bestimmt. Weil die Kunden überrascht werden wollen. Viele Läden gehen auf Nummer sicher, das mach ich nicht. Und das ist natürlich noch eine viel anspruchsvollere Aufgabe für einen Einkäufer, als wenn man z.B. von der Kundin ausgeht. Ich denke aber sehr wohl auch an Sachen, wie „Okay, diese Minishorts ist für größere Größen wahrscheinlich nicht nötig, die wird keiner kaufen“…

Hast du beim Einkauf für deinen Laden schon mal einen echten Fehlkauf getätigt?

Nein, ich kaufe auch immer nur eine kleine Stückzahl, das ist dann nicht so riskant. Meistens pro Größe zwei Stück. Ich gehe beim Einkauf auch immer nach meinem Bauchgefühl. Ich sehe ein Kleidungsstück und denke mir eine Geschichte dazu aus. Zum Beispiel: „Oh, das Kleid sieht aus als möchte man es anziehen, um Rad zu fahren und Erdbeereis zu essen.“ Ich gebe dem Kleidungsstück immer gleich eine innerliche Bühne und entscheide dann aus dem Bauch heraus – da hab ich mich noch nie getäuscht.

Ja, das kenn ich. Ich entscheide auch meistens nach meinem Bauchgefühl. Schön zu hören, dass ich damit nicht alleine bin (lacht). Hast du eigentlich einen zweiten Laden geplant?

Naja, irgendwie würde das nicht ins Konzept passen, denn es geht uns ja darum, besondere Sachen zu haben. Und irgendwie würde Hayashi damit die Einzigartigkeit abhanden kommen. Und wenn ich mir überlege, ich finde diesen einen Laden super, dann brauch ich da keinen Ableger davon.

Wie ein kleines Schmuckstück.

Genau, irgendwie würde der Laden damit seine Seele verlieren, wenn es plötzlich einen zweiten gäbe.

Was war denn besonders schlimm bis jetzt?

Besonders hart war natürlich der Anfang, wenn man noch keine Mitarbeiter hat und dann sechs Tage die Woche im Laden steht. Und man hat super Kollektionen im Laden hängen, aber keiner kennt dich, weil dich einfach noch niemand entdeckt hat und du noch nicht Teil der Shoppingroutine bist. Das ist natürlich erst einmal echt hart, eine Durststrecke – auch vom Kopf her. Nicht nur weil kein Geld reinkommt. Und man denkt sich, das gibt es doch nicht, die müssen doch sehen, wie schön es hier ist. Aber man muss beharrlich bleiben. Weil wenn man ein gutes Konzept hat und gut organisiert ist, wird man auch entdeckt. Und das ist dann auch relativ schnell gegangen, dass mich die Leute ins Herz geschlossen haben und treue Kunden geworden sind.

Und besonders toll?

Besonders schön war es – so nach fünf Jahren – bei der Fashion Week in New York „front row“ zu sitzen. Ich kann mich noch genau erinnern, draußen hat die Sonne geschienen, ich hab entdeckt, dass ich in der ersten Reihe sitze und da hab ich mir gedacht: „Wow, du machst grad genau das, wovon du immer geträumt hast.“ Und das war wirklich sehr schön und jetzt im letzten Jahr haben wir so einen kleinen Film über Hayashi gedreht, das war auch ein superschönes Erlebnis. Weil der echt mein Leben so gut einfängt – und da musste ich auch erst mal heulen. Es ist bei mir einfach so, ich mach, was ich liebe und ich mach das jeden Tag und manchmal muss man da einfach einen Schritt zurück machen und von außen draufblicken, denn in der Hektik realisiert man oft gar nicht, was man schon alles geleistet hat.

Hattest du nicht mal Angst, dass das total in die Hose geht?

Natürlich, ja klar. Das ist – wie gesagt – Teil dieser Anfangszeit. In den ersten zwei Jahren gab es auf jeden Fall Momente, wo ich mir dachte, das war‘s, ihr könnt mich alle mal, das pack ich einfach nicht mehr…

Wer hat dir dann den Rücken gestärkt?

Mein Vater. Der hat dann zu mir gesagt: „Ja lass doch die Tür zu und geh einfach nicht mehr hin.“ Und dann hab ich gesagt: „Ja gut, ich geh da nicht mehr hin.“ Und dann ist mir erst bewusst geworden, dass ich das nicht will. Ich habe diesen Laden, weil ich ihn liebe, ich muss das nicht machen, ich kann einfach die Tür zulassen und das hat mir dann so den Schwung wiedergegeben. Zu sagen, dass ich nicht fremdbestimmt bin, ich kann jederzeit aufhören. Und das gibt einem so ein gutes Gefühl, manchmal braucht man einfach nur einen anderen Blick auf die Dinge.

  • Den Hut vom 1. Bild finde ich super!! 🙂

    Liebe Grüße,
    Verena von whoismocca.com

    • Hi Verena, ja, der ist voll stylisch. Hat sowas “Reitkappenmäßiges” 🙂 glg Elisabeth